„SHG komplexe posttraumatische Belastungsstörung Hamburg“ (KPTBS). Gruppen-Treffen zweiwöchentlich 19-21 Uhr in St. Georg.
Die Gruppen-Treffen bieten geschützten Raum für Menschen mit komplexer PTBS, um Erfahrungen zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen und Wege zu Stabilisierung, besserem Umgang mit Symptomen und persönlicher Entwicklung zu finden.
Für wen ist die Selbsthilfe?
Viele Betroffene einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (englisch: Complex Post Traumatic Stress Disorder, c-ptsd) haben Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulierung, Überzeugungen über die eigene Person als erniedrigt, unterlegen oder wertlos, leiden unter Scham-, Schuld- oder Versagensgefühlen sowie Problemen in Beziehungen und Nähe.
Darüber hinaus kann eine komplexe posttraumatische Stresserkrankung begleitet sein von einer Neigung zur anhaltenden Wahrnehmung einer erhöhten aktuellen Bedrohung, auf die ihr Körper mit Betäubtsein bzw. gefühlsmäßiger Abstumpfung oder übermäßige Wachsamkeit bzw. Übererregung reagiert. Diese Reaktionsmuster einer Entwicklungstraumatisierung, inklusive Folgeerkrankungen (wie Depression, dissoziative Störungen, Sucht etc.), belasten unser Leben, wodurch Alltag und Beziehungsgestaltung eine ständige Herausforderung sind. Wir können aber daran arbeiten.
Hierfür bietet die SHG komplexe posttraumatische Belastungsstörung Hamburg einen geschützten Raum, in dem die Teilnehmer sich sicher genug fühlen, um sich so zu zeigen, wie sie eigentlich sind. Durch Teilen unserer Erfahrungen als Betroffene, Zuhören und gegenseitige Wertschätzung unterstützen wir uns, um unser Leben vom reinen Überleben zum Wachsen und Gedeihen zu verändern.
Voraussetzung für die Teilnahme an den Gruppentreffen ist eine nachgewiesene Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1 mit Zusatz 'komplexe' bzw. zukünftig ICD-11: 6B41) – ersatzweise auch andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD 10: F62.0) oder Krankheit (ICD 10: F62.1) – durch einen Arzt, Psychotherapeuten oder Psychologen.
Interessierte finden hier Kontaktinformationen.
Ablauf der Treffen
Wir treffen uns 14-tägig zentral in Hamburg-Mitte (St. Georg).
Das Treffen beginnt mit Begrüßung, ggf. Organisatorischem und einer sehr kurzen Eingangs-Blitzlichtrunde.
Danach gibt es 5 Minuten Bewegung, Meditation oder unterschiedliche Regulationsübungen, um das eigene Nervensystem zu beruhigen. Dabei stellt einer der Teilnehmenden eine Übung kurz vor und dann führt die Gruppe die Übung zusammen durch. Danach berichten die Teilnehmer, wie sie die Übung empfunden haben. Jede Art von Übung, die potenziell das Nervensystem reguliert, ist in Ordnung.
Nun bekommt jeder Teilnehmer Raum (abhängig von der Zahl der Gruppenteilnehmenden), der frei genutzt werden kann, z.B. um über ein Thema eigener Wahl zu teilen. Hierzu wird kein Feedback gegeben (es sei denn, Feedback wurde ausdrücklich verlangt oder erlaubt), damit sich Teilnehmer nicht bewertet fühlen. Danach machen wir eine Pause.
Anschließend wählt die Gruppe durch Mehrheitsbeschluss aus Vorschlägen ein bis zwei Themen aus, welche gemeinsam in der Gruppe besprochen werden. Dies können allgemeine Themen oder persönliche Themen eines oder mehrerer Teilnehmer sein. Ein kommunikativer Austausch, Nachfragen und Feedback sind in diesem Teil gestattet.
Das Treffen wird pünktlich beendet mit einer sehr kurzen Abschluss-Blitzlichtrunde, ggf. gruppenbezogenen Ankündigungen, Spenden (Raumkosten, Reinigungskosten, Webseite, Getränke, Handouts etc.) und Verabschiedung.
Mögliche Themen
Die folgende Themenliste zeigt die Bandbreite möglicher Diskussionsthemen. Sie ist nicht erschöpfend, und nicht alle Themen kommen in jeder Sitzung vor.
Achtsamkeit, Affektregulation, Alpträume, ASP, Beziehungsprobleme, Bindungsverhalten, Co-Abhängigkeit, Depressionen, Dissoziation, Eltern, EMDR, Empathie, Erwerbsminderung, Fehldiagnosen, Familien, Fawning, Flashbacks, Grenzen setzen, Hypervigilanz, Innerer Kritiker, Inneres Kind, Kampf-/Fluchtverhalten, Kindheitstrauma, Kliniken, Körperwahrnehmung, Misstrauen, Nähe/Distanz, NARM, People-Pleasing, Perfektionismus, Polyvagaltheorie, Psychosomatik, Reparenting, Resilienz, Schuldgefühle, Schlafstörungen, Stabilisierungstechniken, Schamgefühle, Selbstmitgefühl, Selbstwert, Skills, Somatic Experiencing, soziale Ängste, Sozialleistungen, Täterintrojekte, Therapeuten, Therapien, Transgenerationale Traumata, Trauer, Trauerarbeit, Trigger, Übertragungsdynamiken, Verletzlichkeit, Verlust, Vermeidung, Vernachlässigung, Wut, Weinen, Wieder-Erleben u. v. m.
Gruppenregeln
Für uns ist eine respektvolle, achtsame und rücksichtsnehmende Kommunikation untereinander wichtig. So soll sich ein sicherer Raum bilden, damit wir uns entspannen können und nicht in alte Kompensationsmuster verfallen brauchen. Die folgenden Regeln verfolgen das Ziel, eine sichere Atmosphäre und ein unterstützendes Miteinander zu gestalten.
- Jeder Teilnehmende spricht hauptsächlich von sich selbst und über seine Erfahrungen und Gefühle.
- Alle achten auf eine ausgewogene Verteilung der Redezeit. Sehr lange Beiträge oder sehr häufige Wortmeldungen sollen vermieden werden; die Moderation kann Beiträge bei Bedarf begrenzen.
- Ungefragte Ratschläge, persönliches Feedback, Bewertungen, Deutungen oder therapeutische Interventionen werden vermieden. Sie sind nur möglich, wenn die betroffene Person ausdrücklich darum bittet oder zuvor individuell um Erlaubnis gefragt wurde.
- Unterstützung geschieht vor allem durch Zuhören, Teilen eigener Erfahrungen und respektvolle Rückfragen.
- Es gelten einige übliche Gesprächsregeln für Selbsthilfegruppen: Ausreden lassen, respektvoll und achtsam miteinander reden.
- Alles, was in der Gruppe besprochen wird, ist vertraulich und verlässt nicht den Gruppenrahmen.
- Die Teilnahme sollte, wenn möglich, einigermaßen regelmäßig sein, um Vertrautheit zu fördern und eine ständig wechselnde Teilnehmerzusammensetzung zu vermeiden.
- Stellungnahmen zu politischen oder religiösen Themen oder gesellschaftlichen Streitfragen werden vermieden.
- Die Teilnahme am Termin unter Einfluss von Drogen, ausgenommen medizinisch verordnete, ist ausgeschlossen.
- Vor detailreichen Darstellungen sensibler oder potenziell belastender Themen wird eine kurze Trigger-Warnung empfohlen, sodass sensible Teilnehmende Einwände erheben oder den Raum verlassen können.
- Wenn ein Thema oder eine Darstellung als belastend signalisiert wird und die Moderation oder die Gruppenleitung den Abbruch anordnet, wird das Thema beendet bzw. nicht weiter vertieft.
- Wer persönlich getriggert wird, kann das verbal mitteilen.
- Wer vorübergehend zu stark dereguliert ist (wütend, ängstlich, beschämt, dissoziiert etc.), geht ohne Begründung vorübergehend raus oder für den Rest des Abends nach Hause und kommt nächstes Mal wieder.
- Hinweisen der Moderation oder letztinstanzlich der Gruppenleitung zum Ablauf und zum Triggermanagement ist Folge zu leisten.
- Regeln können nicht erschöpfend oder 100% eindeutig sein. Im Zweifel entscheidet die Moderation und nötigenfalls letztinstanzlich die Gruppenleitung unter Berücksichtigung der Sicherheit und des Schutzes der Gruppe.
Was Selbsthilfegruppen leisten – und was nicht
Selbsthilfegruppen ersetzen keine Therapie oder ärztliche Behandlung, können diese aber sinnvoll ergänzen.
Sie sind nicht geeignet für akute Krisen oder Notfälle. Ihre Wirkung entfaltet sich durch kontinuierliche, aktive Teilnahme und gegenseitige Unterstützung, was für akute Krisenzustände zu spät wäre.
Selbsthilfegruppen sind keine Hilfs- und Beratungsstellen, und funktionieren nur, wenn es zu einem wechselseitigen Geben und Nehmen kommt und die Mitglieder sich kontinuierlich aktiv am Gruppenprozess beteiligen.
Selbsthilfegruppen entstehen aus einem Eigenengagement Betroffener, um die persönliche Situation zu verändern und Erfahrungen mit Menschen zu teilen, die vergleichbare Probleme haben. Die Kommunikation basiert auf dem wechselseitigen unmittelbaren Verstehen durch vergleichbare Betroffenheit. Therapeuten und Ärzten fehlt diese unmittelbare eigene Erfahrung mitunter, sodass Selbsthilfegruppen hier professionelle Hilfen ergänzen.
Selbsthilfegruppen spielen eine positive Rolle bei der Bewältigung von Problemen und der Verbesserung der Lebensqualität, indem sie gegenseitige Unterstützung, Wissenstransfer, Stärkung des Selbstvertrauens und die Überwindung von Isolation ermöglichen. Weitere mögliche Effekte von Selbsthilfegruppen:
- Andere Betroffene kennenlernen und sich austauschen
- Das Gefühl zu überwinden, ein extremer Einzelfall oder "Alien" zu sein
- Alternative Bewältigungsstrategien entdecken
- Soziale Ängste verringern
- Ausgleich psychosozialer Defizite
- Eigene Gefühle und Fortschritte besser verstehen
- einen kompetenten Umgang mit professionellen Hilfsangeboten entwickeln
- neue Perspektiven entwickeln
- eigene Rechte kennen lernen und gemeinsame Anliegen und Interessen besser benennen und vertreten
- gemeinsame Aktivitäten unternehmen und Einsamkeit überwinden
Weiterführende Hinweise
Professionelle Hilfen in Hamburg
Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll, Klinik für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen
Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll, Tagesklinik Nord
Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll, Behandlungseinheit Traumatherapie
Asklepios Klinik Nord - Barmbek-Nord, Tagesklinik Barmbek-Nord
UKE - Flyer der Spezialambulanz für Traumafolgestörungen (Download PDF 1,25 MB)
12-Schritte-Präsenzgruppen in Hamburg
ACA 12-Schritte-Gruppe Hamburg – Dienstags
ACA 12-Schritte-Gruppe Hamburg – Donnerstags
Literatur
Bessel van der Kolk: Das Trauma in dir (2023) Ullstein Taschenbuch, Berlin. 978-3548067490.
Stephen W. Porges, Seth Porges: Sicherheit und Heilung finden: Die Polyvagal-Theorie in unserem Leben (2024). G. P. Probst Verlag, Lichtenau. 978-3944476513
Pete Walker: Posttraumatische Belastungsstörung (2019) Narayana Verlag GmbH, Kandern. 978-3962570750.
Laurence Heller: Entwicklungstrauma heilen (2013) Kösel-Verlag, München. 978-3466309221.